Berta Epple

„Das neue Programm gibt sich stellenweise nostalgisch, dann wieder jazzig-spritzig. Ein ums andere Mal streuen die Musiker zurecht heftig beklatschte Soli ein. Gregor Hübner gibt das, was früher gern Teufelsgeiger hieß. Wobei er keine Virtuosität um des Kunststückchens willens zeigt, sondern eine Kunstfertigkeit, die aus der Spielfreude kommt. Sein Bruder Veit macht den Bass zu einem groovenden, swingenden, plaudernden Melodie-Instrument und legt gleichzeitig den entspannten Rhythmusteppich für die Lieder. Bobbi Fischer ist ohnehin eine Bank, sei es an diversen Schlagwerken, die teilweise skurrile Aufbauten sind, oder am Piano. Aus diesem purzeln die Blue Notes mal swingend, dann wieder bluesig rollend."
- Jürgen T. Widmer, Schwäbische Zeitung

 

Nachfolger von Tango Five: Die Comedy-Combo Berta Epple im vom 27. bis 30 Dezember im Cannstatter Wilhelmatheater
Von Thomas Staiber „Legende trifft auf Legende".

So selbstbewusst tritt eine musikalische comedy-combo unter dem namen Berta epple die Nachfolge von Tango Five an. Die Besatzung ist dieselbe, nur Klarinettist Bernd Ruf hat eine Dirigentenstelle in Lübeck und keine Zeit mehr. Die Stammmannschaft aber macht frohgemut weiter: der aus New York anreisende Violinist und Pianist Gregor Hübner, sein Bruder Veit mit dem dicken Kontrabass und der lange Bobbi Fischer, der Schlagzeug spielt, Ukulelesaiten zupft oder in Klaviertasten greift.
Während die Namenspatronin, der gute alte Neckardampfer „Berta epple", inzwischen auf der Seine bei Paris vor sich hin tuckert, zeigen die drei Herrn, dass ihnen auch nach 25 erfolgreichen Jahren Tango Five die Lust am fröhlichen musizieren kein bisschen vergangen ist. mit einem neuen, familientauglichen Programm vom 27. bis 30. Dezember im Cannstatter Wilhelmatheater, dem ältesten erhaltenen und vielleicht schönsten Schauspielhaus Stuttgarts.
Auf Straßenmusikerklamauk, Possenspiel und Schabernack, den sie als Studenten noch bei Tango Five machten, wird bei Berta Epple verzichtet. Stattdessen wird das neue Programm klug und mit verschmitztem hintergründigem Humor vorgetragen. Ohne falsche Sentimentalität besingen die drei Musikanten die Liebe zur schwäbischen Heimat, ohne schulmeisterlichen Zeigefinger warnen sie vor Alltagsstress, Verdummung und digitaler Demenz, setzen geistreich Haben und Sein gegeneinander, und ohne Hemmungen würzen sie einige Chansons mit einer messerspitze schwarzen Humors.
„Kistenliste" heißt so ein Song über einen, der sein Ende nahen sieht und schnell noch Sachen abarbeitet, die er bisher versäumt hat. „Die Reise ist der Anfang, das Ziel sind wir", heißt der Refrain eines anderen Songs. Von der Französin Zaz haben sie zwei Lieder ins Schwäbische übersetzt. „no halt net, es muss net verzwonga sei", lautet ein fröhlichentspannter Kehrreim, nachdem zuvor von kleineren Pechsträhnen die Rede war. Unaufgefordert singt das Publikum mit.
Keine Gags auf Kosten Dritter die drei von Berta Epple sind überhaupt wunderbare Botschafter des Schwäbischen, die hohle Sprüche und peinliche Gags auf Kosten dritter einfach weglassen. Und es sind exzellente Musiker, deren Virtuosität und Improvisationskünste von einem klassischen Musikstudium und von glänzend absolvierten Studiengängen im Fach Jazz herrühren. Beide Hübner etwa haben nicht umsonst den begehrten Landesjazzpreis samt den 15 000 Euro Preisgeld erhalten.
Wie beseelt Gregor Geige spielt, wie schön sein Sound ist, wie virtuos seine Läufe und Kadenzen, die Veit mit sonoren, warmen Kontrabassklängen grundiert, wie inspiriert Filmkomponist Bobbi Fischer Latin, Swing und rockige Grooves in Szene setzt – schon das allein ist den Besuch wert. Wenn dazu noch mit feinem Humor dreistimmig gesungen wird, stellt sich bei manchen Besuchern das sprichwörtliche „hennabrupfa" ein. Für nichtschwaben: wonnige Gänsehautgefühle.